Digitalisierung

Im Einklang mit der neuen Afrika-EU-Allianz  für nachhaltige Investitionen und Arbeitsplätze haben die Europäische Kommission und die Kommission der Afrikanischen Union (AU) eine EU-AU Task Force für die digitale Wirtschaft eingerichtet. Die Digitalisierung ist eine große politische Herausforderung in den Beziehungen zwischen beiden Regionen. Auch in den afrikanischen Ländern löst die digitale Revolution bereits jetzt wirtschaftliche, soziale und kulturelle Transformationsprozesse aus, die sowohl positive als auch negative soziale Auswirkungen für die Armen haben können.

Niedriges Level – hohes Wachstum

Afrika schreitet bei der digitalen Einführung rasch voran. Schätzungen des ITU zufolge verzeichnete der Kontinent in den letzten Jahren das weltweit höchste Wachstum beim Internetzugang, von 2,1% im Jahr 2005 auf 28,2% im Jahr 2019. Die Entwicklungen sind nicht nur bei der Internetanbindung, sondern auch bei der Zahl der Mobilfunkabonnements und der Haushalte mit einem Computeranschluss sichtbar. Dieser Trend wirkt sich auch auf die gesamte Wirtschaft aus. Die Industrievereinigung der Mobilfunkanbieter GSMA berichtete, dass die “mobile Wirtschaft” im Jahr 2019 8,6% des gesamten BIP in Subsahara Afrika ausmachte, was 144 Milliarden US-Dollar entspricht. Es wird prognostiziert, dass dieser Anteil bis 2023 9,1% (185 Milliarden US-Dollar) des gesamten BIP der Region erreichen wird. Dieser Fortschritt zeigt sich auch bei den digitalen Finanzdienstleistungen, da Afrika zur Referenz für die E-Geld-Revolution geworden ist, die mit M-Pesa in Kenia ihren Anfang nahm.

Ende 2018 gab es 456 Millionen individuelle Mobilfunkteilnehmer*innen in Afrika südlich der Sahara – ein Anstieg von 20 Millionen im Vergleich zum Vorjahr und eine Durchdringungsrate von 44%. Rund 239 Millionen Menschen, das entspricht 23% der Bevölkerung, nutzen ebenfalls regelmäßig das mobile Internet. Die informelle Wirtschaft macht einen großen Teil des mobilen Ökosystems in Subsahara-Afrika aus. Fast 1,2 Millionen der 1,7 Millionen direkt vom mobilen Ökosystem beschäftigten Personen sind informell im Vertrieb und Einzelhandel von mobilen Dienstleistungen tätig.

Allerdings liegen die Anteile der Länder Afrikas südlich der Sahara am grenzüberschreitenden elektronischen Handel weit hinter dem der Europäischen Länder. Die UNCTAD hat in einer Studie die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit des Handels der Entwicklungsländer und der am wenigsten entwickelten Länder (LDCs) bei digitalen Produkten hervorgehoben. Die größte politische Herausforderung bei der Entwicklungszusammenarbeit insgesamt sowie bei der Zusammenarbeit zwischen der EU und Afrika in diesem Bereich wird darin bestehen, die Regierungen der am wenigsten entwickelten Länder in ihren Bemühungen zu unterstützen, die Auswirkungen des wirtschaftlichen und sozialen Übergangsprozesses zu bewältigen, der durch die Digitalisierung ausgelöst wurde.

Herausforderungen für die Digitalisierung Afrikas

Hierfür muss die notwendige digitale Infrastruktur geschaffen werden, um die digitale Kluft und Ungleichheit zwischen Stadt und Land und zwischen Arm und Reich zu verringern. Diese Herausforderung ist vor allem auch in isolierten Ländern und Regionen, die ausgeschlossen oder unterversorgt sind, dringend notwendig. Transport- und Logistikaktivitäten, die dem elektronischen Handel und der elektronischen Verwaltung auf regionaler Basis dienen, müssen ebenfalls gefördert werden. Auch wenn eine effiziente Regulierung eher unwahrscheinlich erscheint, brauchen afrikanische Staaten einen fairen Wettbewerb und Transparenz beim Aufbau digitaler Infrastrukturen. Hier darf kein handelspolitischer Druck auf Kosten von einheimischen digitalen Firmen und deren Regierungen aufgebaut werden. Dies muss durch das richtige Investitionsklima ergänzt werden, um einheimische Ressourcen für den Aufbau eigenen Kapazitäten zu mobilisieren, um einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden.

Dafür brauchen afrikanische Länder die Entwicklung von digitaler Kompetenz und Fertigkeiten, insbesondere im Bereich der Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik, um junge Menschen für die Arbeit in der digitalen Welt zu qualifizieren und neue digitale Lösungen für bestehende Probleme zu entwickeln. Diese Ausweitung ist für viele verschiedene Sektoren notwendig, u.a. für die Landwirtschaft, für die Energieversorgung oder den Gesundheitssektor.

Der Status Quo

Der Austausch zwischen der EU und den afrikanischen Partnern, um die Potenziale der Digitalisierung für eine nachhaltige Entwicklung zu nutzen, ist eine entwicklungspolitische Herausforderung. In ihren gemeinsamen Beziehungen muss die EU daher diese besondere Verantwortung annehmen. Als ein positives Beispiel kann hier der „Partech Africa Fund“ dienen, ein Fonds, dessen Gesamtvolumen von 125 Mio. Euro von europäischen und afrikanischen Investoren finanziert wird. Er hat das Ziel, innovative und panafrikanisch ausgerichtete Unternehmen und Start-ups zu unterstützen. Auch der vom BMZ aufgelegte Entwicklungsfonds (EIF), der bei einem Gesamtvolumen von bis zu 1 Mrd. Euro vor allem Mittelständler bei Investitionen in Afrika unterstützen soll, hat Digitalisierung zu einem der Schwerpunkte gemacht. Mit den verschiedenen Programmen des EIF soll i) ein Finanzierungsangebot für mittelständische europäische Unternehmen geschaffen werden, die mit ihren Investitionen einen Mehrwert vor Ort schaffen wollen („AfricaConnect“) ii) Wachstumskapital für kleine und mittlere Unternehmen in afrikanischen Ländern bereitgestellt werden („AfricaGrow“) und iii) Unterstützungsangebote der Entwicklungszusammenarbeit und der Außenwirtschaftsförderung bündeln, um deutschen Mittelständlern Investitionen in Afrika zu erleichtern („Wirtschaftsnetzwerk Afrika“). Inwieweit dies aber tatsächlich zur Einführung neuer Technologien und innovativer, digitaler Dienstleistungen in Afrika führt und diese einen Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele (SDG) leistet, muss die Umsetzung und das Engagement der Privatwirtschaft zeigen.