Digitalisierung und Transformation in Afrika

Digitalisierung und Transformation in Afrika

von Pedro Morazán

Der Digitalisierungsprozess und mit ihm auch die Digitalwirtschaft haben auch den afrikanischen Kontinent erreicht. Ohne Internet findet keine Digitalisierung statt. Subsahara-Afrika gilt heute als die am schnellsten wachsende Region beim Internetzugang. Die GSMA, die weltweite Statistiken über die Anbindung ans Internet erstellt, rechnet mit zusätzlich 167 Millionen Neuabonnent*innen bis 2025. Die 3G hat die 2G-Technologie bereits 2019 überholt und ist zur führenden Mobilfunktechnologie in der Region geworden, mit einem Anteil von etwas mehr als 45% der gesamten Verbindungen. Wir sehen auch, dass mobilkommunikationsfähige Plattformen zunehmend traditionelle Wertschöpfungsketten verändern. Das ist die optimistische Betrachtung der Digitalisierung in Afrika.

Es gibt allerdings auch die andere Seite der Digitalisierungsmedaille, wie z.B. im Bericht der EU-AU Digital Economy Taskforce dargelegt. Obwohl Afrikas digitale Revolution in den letzten Jahren beeindruckend war und die Zahl der Personen mit Internetzugang zugenommen hat, haben derzeit lediglich 24,4 % der Bevölkerung des Kontinents einen Zugang zum Internet. Zugang bedeutet bei weitem nicht immer, dass das Internet auch regelmäßig genutzt werden kann, da dies mit Kosten verbunden ist. Reiche sowie junge Menschen in städtischen Gebieten haben sehr viel eher Zugang zum Internet als arme Menschen und ältere Bürger*innen in ländlichen Gebieten.

Die Qualität und Stabilität der Internetverbindungen in Afrika sind im Allgemeinen schlechter als im Rest der Welt. Der Kontinent hat die geringste internationale Konnektivität der Welt, mit der Hälfte der Bandbreite von Asien und dem Pazifik und 20-mal weniger als in Europa. Die afrikanischen Länder haben die langsamsten mittleren Download-Geschwindigkeiten (0,82 MBit/s), gefolgt von Lateinamerika und der Karibik (1,16 Mbit/s). Die mittleren Download-Geschwindigkeiten in Europa liegen hingegen bei 7,06 Mbit/s. Nach Angaben der Alliance for Affordable Internet (A4AI) wären Investitionen in Höhe von bis zu 85 Mrd. US-Dollar erforderlich, um einen schnellen und verlässlichen Zugang zu Breitbandverbindungen zu erreichen. Darüber hinaus dürften die Investitionskosten um weitere 5 bis 10 Milliarden USD steigen, da zusätzliche Satelliten erforderlich sind, um entlegene ländliche Gebieten ans Internet anzuschließen.

Ungleichheiten werden vertieft

Glasfaserkabel sind die weltweiten Autobahnen für den Datenverkehr. Etwas mehr als ein Dutzend solcher Kabel liegen auf dem Meeresgrund. Beim Ausbau von Glasfaser- und Backbone-Übertragungsnetzen liegt Afrika im internationalen Vergleich weit zurück. Damit fehlt die notwendige sichere Konnektivität um einheimische Wertschöpfung international anzubieten. Das Defizit ist bei den Binnenländern im Zentrum des Kontinents größer als bei den Küstenländern. Die nationale Backbone-Infrastruktur und die internationale Internet-Konnektivität sind die beiden entscheidenden Bausteine, um den Zugang zu Breitband weiter voranzutreiben. Zwar sind die Investitionen in die Internet-Konnektivität in den letzten Jahren stetig gestiegen, doch reichen die Mittel nach wie vor nicht aus, um den Zugang zu erschwinglichen Breitbandanschlüssen zu gewährleisten.

Der Digitale Wandel hat bereits bestehende Ungleichheiten in den meisten afrikanischen Ländern vertieft und wird weitere Ungleichheiten schaffen. Stadt vs. Land, reich vs. arm: Selbst das Beispiel Deutschland zeigt, dass die benötigte Infrastruktur für alle nicht einfach zu erreichen ist. Den armen Ländern fehlen die notwendigen finanziellen und menschlichen Ressourcen, aber auch die notwendige Erfahrung um durch den Aufbau einer funktionsfähigen Infrastruktur einen wettbewerbsfähigen Marktzugang zu erreichen. Da die digitalen Technologien neue Formen des digitalen Wandels wie künstliche Intelligenz (KI), Robotic, etc. bestimmen und damit die Driver einer allumfassenden Transformation darstellen, droht die Ungleichheit auch in globalem Maßstab weiter zuzunehmen. Hinzu kommt häufig die Abhängigkeit von Firmen aus dem Ausland: Derzeit kontrollieren große Firmen aus den USA den größten Teil des Datenverkehrs weltweit.

Die digitale Seidenstraße ist in Afrika angekommen

Die digitale Seidenstraße hat sich in China als eine enge Allianz zwischen dem Staat und seinen einheimischen Internetfirmen herausgebildet. Im Mittelpunkt dieser Allianz stehen die zwei chinesische Telekommunikationsgiganten Huawei und ZTE. Ein genauerer Blick auf Projekte, die als Teil der “Digitalen Seidenstraße” vermarktet werden, veranschaulicht, dass Chinas digitale Bestrebungen über den Bau von Glasfaserkabeln hinausgehen. Vielmehr umfasst sie eine breite Palette von Technologien um Chinas Ambition zu unterstützen, nicht nur bei der digitalen Kommunikationsinfrastruktur, sondern auch bei der Digitaltechnik im Allgemeinen weltweit führend zu werden.

Huawei dominiert den afrikanischen Telekommunikationsmarkt. Der Konzern ist in 70 Prozent der 4G-Infrastruktur Afrikas involviert, und schafft so Möglichkeiten für die soziale und wirtschaftliche Vernetzung. Kommunikationsnetzwerke sollen dazu beitragen, transnationale Handelsnetzwerke zu erweitern und neu zu organisieren, um den Export chinesischer Waren und Ausrüstungen zu erleichtern. Leider könnten die Entwicklungen aber auch dazu beitragen, Regimen ein Instrument für den Autoritarismus an die Hand zu geben, wie beispielsweise schon erste Hinweise auf Kooperationen zwischen Huawei-Mitarbeitenden und dem ugandischen Geheimdienst nahelegen. Konkurrenz auf dem Markt der Überwachungssoftware bekommt Huawei aber durchaus auch von Unternehmen aus anderen Ländern, wie z.B. aus den USA und Israel, aber auch aus Großbritannien oder Italien.

Die Strategien der EU sind schwach und ohne Fokus

Die EU-AU-Taskforce für digitale Wirtschaft (DETF) wurde am 18. Dezember 2016 ins Leben gerufen. Sie bildet eine Plattform für den privaten Sektor, Geber, internationale Organisationen, Finanzinstitutionen und die Zivilgesellschaft, um die digitale Transformation in Afrika zu erreichen. Der Zweck der DETF besteht darin, die EU und die AU bei der Festlegung von Prioritäten für die Zusammenarbeit im Bereich Digitalisierung zu unterstützen.

Zwischen 2007 und 2017 widmete die EU digitalen Initiativen in ihren Partnerländern 350 Millionen Euro. Im Jahr 2017 liefen noch Projekte, die 110 Millionen Euro Förderung von der EU erhielten, davon ein Fünftel für Afrika. Von 2017 bis 2019 schrieb die EU 168 digitale Vorhaben aus. Auch die Europäische Investitionsbank (EIB) als Hausbank der EU betrachtet die Digitalisierung als einen Investitionsschwerpunkt der nächsten Jahre in Afrika. Bereits 2018 kamen 4 Prozent ihrer Förderung dem Sektor Telekommunikation in Afrika, der Karibik und dem Pazifik zugute. Insgesamt sind die Summen jedoch nur ein Bruchteil dessen, was notwendig ist – und weit weniger als das, was China zur Verfügung stellt.

Insgesamt bleibt die EU – Digital Partnership mit Afrika aber immer noch weit hinter den Erwartungen zurück. Nicht nur hinsichtlich der notwendigen Investitionen für die Finanzierung der Infrastruktur, sondern auch im Hinblick auf die Verbindung der Digitalwirtschaft mit weiteren wichtigen Vorhaben im Bereich Klimaschutz und Energieversorgung. Die Analyse der Trends der Digitalisierung zeigt, dass ihre Auswirkungen in neue gesellschaftliche Gebiete vordringen, und dies ist etwas, das von der Agenda 2030 noch immer nicht abgedeckt wird. Dabei sollten wichtige Transformationsprozesse mit Hilfe der Digitalisierung in Afrika gefördert werden: Humankapital, Dekarbonisierung und Energie, Ernährungssouveränität und intelligente Städte.